Rund um den Globus landeten 2010 Bio-Produkte im Wert von 59 Mrd. US-Dollar in den Einkaufskörben der Kunden, so Amarjit Sahota, Geschäftsführer der Londoner Unternehmensberatung Organic Monitor. Nordamerika ist weiterhin größter Einzelmarkt vor Europa. Die US-amerikanische Öko-Branche freute sich 2010 über ein Plus von 8 Prozent gegenüber 1 Prozent Zuwachs im konventionellen Lebensmittelmarkt. (OTA, Organic Industry Survey 2011, USA). Der Bio-Umsatz erreichte demnach 28,6 Mrd. US-Dollar (21,6 Mrd. EUR). Im Non-Food-Bereich führen die Nahrungsergänzungsmittel mit einem Plus von 7 Prozent auf 681 Mio. US-Dollar das Ranking an. Bio-Fasern (Baumwolle und Leinen) erzielten 605 Mio. US-Dollar Umsatz (+ 16 Prozent), Körperpflege 490 Mio. US-Dollar (+7 Prozent).

Mehr Bio-Fläche in Europa

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„In Europa als Kontinent ist die Bio-Fläche auch 2010 weiter kräftig gewachsen und steuert auf 10 Mio. ha zu: 9.7 Mio. ha wurden 2010 biologisch bewirtschaftet. Dies entspricht 2  der gesamten Landwirtschaftsfläche“, so Helga Willer vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau, FiBL, Schweiz.

Den Trend beurteilt die Expertin weiter positiv. In der EU als politischer Einheit wurden knapp 9 Mio. ha oder 5 Prozent der Agrarfläche biologisch bewirtschaftet. Im Vergleich zu 2009 nahm die Bio-Fläche um eine halbe Mio. ha zu. Europameister mit der größten Bio-Fläche ist aktuell Spanien mit 1,5 Mio. ha, gefolgt von Italien (1,1 Mio. ha), Deutschland (0,99 Mio. ha) und Frankreich (0,85 Mio. ha.). Die größten absoluten Flächenzuwächse seien in Frankreich (170.000 ha) und in Spanien (125.000 ha) zu verzeichnen, so Willer.

Deutschland: positive Entwicklung im Fachhandel

Der geschätzte Gesamtumsatz mit Bio-Produkten war in Deutschland 2010 gegenüber dem Vorjahr stabil. Er lag bei 5,9 Mrd. EUR und damit erneut knapp unter 6 Mrd. EUR (GfK, Nielsen, Biovista). Aktuelle Zahlen für das erste Halbjahr 2011 geben Anlass zur Freude im Fachhandel. Dieser konnte beim Umsatz mit Bio-Lebensmitteln um 8 Prozent zulegen, so das Ergebnis einer Stichprobe der deutschen Kommunikationsberatung Klaus Braun bei über 10 Prozent der Naturkostfachgeschäfte und Bio-Supermärkte. Seit einigen Jahren nimmt auch die Fläche des Öko-Landbaus in Deutschland mit Zuwachsraten von rund 5 Prozent kontinuierlich zu (2010: 4,6 Prozent). Inzwischen werden 6 Prozent der Gesamtfläche biologisch bewirtschaftet. Auf politischer Ebene wollen Branchenakteure die Öko-Landwirtschaft weiter forcieren und im Jahr 2020 einen Flächenanteil von 20 Prozent erreichen. 990.702 ha wurden Ende 2010 in Deutschland biologisch bewirtschaftet. 2011 könnten es bereits 1 Mio. ha sein.

Frankreich: dynamischer Wachstumsmarkt

Frankreich nimmt im europäischen Ranking der umsatzstarken Bio-Märkte Platz zwei ein. Das Land verzeichnet beachtliche Zuwachsraten. 2010 lag der Bio-Umsatz bei 3,4 Mrd. EUR, der Marktanteil am gesamten französischen Lebensmittelmarkt betrug 2 Prozent. Das überzeugende Angebot einer Vielzahl neu gegründeter Bio-Supermärkte ist einer der Hauptgründe für diesen Boom. Markttreiber sind dabei vor allem regionale Bio-Filialisten, Einzelhändler sowie die nationalen Netzwerke Biocoop und Biomonde. In der Gemeinschaftsverpflegung (Schulkantinen und Mensen) hat sich der Bio-Einsatz von 2008 bis 2010 verdreifacht.

Die Anzahl der landwirtschaftlichen Bio-Betriebe nahm in Frankreich innerhalb des gleichen Zeitraums um 55 Prozent auf 20.604 zu, 3 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen werden derzeit ökologisch bewirtschaftet.

Belgien: 20 Prozent Plus im Inlandsmarkt

Belgien konnte 2010 ein Plus von 7.300 auf insgesamt 48.700 ha Bio-Fläche verbuchen. Um spektakuläre 20 Prozent auf 421 Mio. EUR wuchs der dortige Bio-Markt im selben Jahr laut Angaben des belgischen Bio-Verbands Bioforum. Die Ausgaben für ökologisch produzierte Lebensmittel lagen bei 38 EUR pro Pro-Kopf und Jahr, so die Untersuchungen der GfK. Denn es gibt immer mehr Neukunden, die sich für Bio begeistern, im Durchschnitt pro Einkauf mehr ausgeben sowie häufiger einkaufen gehen. Doch wie in vielen anderen Ländern auch, gehen 78 Prozent des Bio-Umsatzes auf einen relativ niedrigen Anteil von treuen Kunden, die Heavy User zurück.

Bio-Boom in Italien

Nirgendwo sonst in Europa gibt es mehr Bio-Unternehmen als in Italien. 2010 waren es 47.663 Landwirte, Weiterverarbeiter und Händler. Die Bio-Fläche beträgt aktuell 1.1 Mio. ha (SINAB-Sistema d’Informazione Nazionale sull’Agricoltura Biologica, Italien). Traditionell wird der italienische Markt für ökologische Lebensmittel stark vom selbständigen Naturkosteinzelhandel bestimmt, der 2010 einen Zuwachs von 700 auf 800 Mio. EUR (+ 14 Prozent) verzeichnen konnte. Bio-Produkte im konventionellen Handel legten ebenfalls von 450 auf 500 Mio. EUR zu (+11 Prozent). Die wichtigsten Naturkostgeschäfte in Italien gehören zu EcorNaturasì, mit 88 Bio-Supermärkten sowie zwei Restaurants und einer Metzgerei die größte Kette. 2010 stieg deren Umsatz um knapp 20 Prozent auf 112 Mio. EUR. Auf die Bereiche Außer-Haus-Verpflegung und sonstige Vermarktungswege wie die Direktvermarktung ab Hof und Wochenmärkte entfielen jeweils 250 Mio. EUR. Während auf dem Inlandsmarkt Bio-Produkte für 1,8 Mrd. EUR umgesetzt wurden, erzielte der Export eine weitere Milliarde EUR. Damit legte die italienische Bio-Branche 2010 um insgesamt 300 Mio. EUR (12 Prozent) zu.

Skandinavien trägt kräftig zum Bio-Aufschwung bei

In Schweden wuchs der Umsatz der Bio-Branche 2010 von umgerechnet 793 Mio. EUR auf 897 Mio. EUR, das entspricht einem Plus von 13 Prozent. Der Bio-Anteil am Gesamt-Lebensmittelmarkt betrug 3,1 Prozent (Ekoweb, Schweden). Das Segment Gemeinschaftsverpflegung erzielte einen Zuwachs von 35 Prozent, bei den Hotels und Restaurants waren es plus 13 Prozent. Im Einzelhandel legten besonders die staatlich konzessionierten Läden von Systembolaget mit ihrem Sortiment an alkoholischen Getränken rasant zu: Hier stieg die Zahl der Bio-Artikel von 120 auf 199, die Umsatzsteigerung betrug 41 Prozent. Finnland erreichte 2010 mit einem Umsatz von 80 Mio. EUR einen Bio-Marktanteil von 2 Prozent (Nielsen, Finnland). Für 2011 wird mit einem großen Umsatzsprung auf 110 Mio. Euro gerechnet, erklärt Erkki Pöytäniemi von der Exportorganisation Organic Finnland.

Bio-Marktführer der nordischen Länder ist Dänemark. Dort liegt der Anteil am nationalen Lebensmittelmarkt mit 7 Prozent mehr als drei Mal so hoch wie in Finnland und doppelt so hoch wie in Schweden. Nach einem hohen zweistelligen Wachstum von 2006 bis 2008 betrug die Zuwachsrate in Dänemark 6 beziehungsweise 4 Prozent 2009 und 2010, heißt es beim dänischen Verband, Organic Denmark. 2010 freute sich der Einzelhandel über einen Umsatz mit Bio von 684 Mio. EUR. Hinzu kommen noch 174 Mio. EUR für Verkäufe an die Gastronomie, über Lieferdienste, Hofläden und Tankstellen. Experten rechnen für 2011 mit einem Zuwachs derBio-Branche von 6-10 Prozent.

Bio-Nachfrage in Großbritannien rückläufig

2010 verzeichnet Großbritannien einen Bio-Umsatz von zwei Mrd. EUR. Das ist ein Minus von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Organic Market Report des britischen Anbauverbands Soil Association). Gründe für die gesunkene Nachfrage: ein reduziertes Bio-Angebot in den Regalen der Supermärkte sowie die Verunsicherung der Bevölkerung durch die wirtschaftliche Lage des Landes. Traditionell sind die Bio-Umsätze in Großbritannien stark vom konventionellen Handel abhängig. Dort werden 72 Prozent der Produkte in ökologischer Qualität abgesetzt. Der Naturkost-Facheinzelhandel, der in Krisenzeiten seine treuen Kunden manchmal besser mobilisieren kann, ist in Großbritannien weniger stark vertreten. Bio-Supermärkte, die in Deutschland, Frankreich und Italien die Entwicklung vorantreiben, existieren auf der Insel kaum. Dennoch stellt der britische Verband Soil Association Anzeichen einer positiven Entwicklung fest: Die Umsätze von Bio-Rindfleisch, Kindernahrung und Öko-Textilien seien 2011 deutlich gestiegen. Die bewirtschaftete Bio-Fläche nahm in Großbritannien um 0,6 Prozent ab und lag Ende 2010 bei knapp 740.000 ha. Das entspricht immerhin 4,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

www.nuernbergmesse.de

www.biofach.de

www.vivaness.de

www.oneco.biofach.de






  • Die Nachfrage nach Bio-Rindfleisch ist größer als das Angebot.
  • Spezialitäten in Bio-Qualität werden auf der Bio-Leitmesse in Nürnberg präsentiert.
  • Bio-Fleischwaren sind vor allem wegen mangelnder Verfügbarkeit der Rohstoffe knapp.
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