Erster CO2-Footprint für Kalbfleisch
Foto: Westfleisch Bei der Carbon-Footprint-Berechnung für Unternehmen wird nach den direkten, selbst verursachten Emissionen (Scope 1) und den Belastungen der vor- und nachgelagerten Stufen (Scope 2 und 3) unterschieden. Großes Bild

Nach dem in Deutschland branchenersten CO2-Fußabdruck für Schweinefleisch Anfang 2010 hat Westfleisch, Münster, als erstes deutsches Fleischunternehmen jetzt eine Ökobilanz für die gesamte Prozesskette der Produktion injklusive eines Product-Carbon Footprints für weißes Kalbfleisch ermittelt. Nach Jahren sinkender und stagnierender Schlachtzahlen in Deutschland wurden 2010 mit 320.000 Tieren 3,2 Prozent mehr vermarktet als im Vorjahr.

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Die Ökobilanz beinhaltet neben der CO2-Bilanz auch weitere ökologische Bewertungsgrößen. Darin werden alle Treibhausgase der Kalbfleischproduktion – vom Anbau der Futtermittel über die Erzeugung der Kälber sowie die Kälbermast bis zum Fleischverkauf – erfasst und ausgewertet.

Das Kalb nimmt durch seinen noch nicht voll entwickelten Verdauungstrakt eine Sonderstellung zwischen dem Schwein als „Monogastrier“ (einteiliger Magen) und dem wiederkäuenden Rind ein. Das wird auch durch den zwischen Schwein und Rind liegenden Wert für Kalbfleisch untermauert: Der durch die Berechnungen ermittelte Carbon-Footprint liegt nach der aktuellen Studie im Bereich von 8,7 bis 10,9 kg CO2e/kg Kalbfleisch – je nach Bewertung der Gärungsprozesse im Verdauungstrakt der Rinder, der Bewertung von Vorketten und der Milchproduktion – und liegt damit zwischen dem bei Westfleisch für Schwein ermittelten Wert von 3,2 kg und den Ergebnissen verschiedener Studien und Fachliteraturangaben für den Äquivalente-Wert (CO2e) für Rind, der meist zwischen 18 und 24 kg CO2e/kg Rindfleisch pendelt.

Der Carbon-Footprint ist zu etwa 40 Prozent auf direkte Methanemissionen vom Kalb sowie die anteiligen Methanemission der Mutterkuh zurückzuführen. Der restliche Beitrag kommt zu mehr als 50 Prozent aus dem Herstellungsprozess des Futters für das Kalb beziehungsweise anteilig auch des Muttertieres. Eine maßgebliche Rolle in der Ökobilanz spielen darüber hinaus Beiträge zur Gesamtumweltbelastung, die aus dem Primärenergiebedarf, den Wasseremissionen und dem Versauerungspotenzial stammen.

Ausgangspunkt der Betrachtung waren das Westfleisch-Fleischcenter Hamm (2010: 48.900 Schlachtkälber), der Standort und die BestKalbMäster aus Nordwestdeutschland mit ihrem heimischen Futterbau sowie der Aufzucht der Tiere.

Basis dieser umfassenden CO2-Bilanz sind die DIN-ISO-Normen 14040 und 14044 sowie das Greenhouse Gas Protocol (www. ghgprotocol.org) in der aktuellen Arbeitsversion. Diese legen fest, wie die systematische Analyse von Umweltwirkungen von geschlossenen Produktionsprozessen zu erfolgen hat. Die Ermittlung der Daten erstreckt sich auf den gesamten Lebensweg eines Produktes.

Westfleisch konnte sich auch auf die Zuarbeit von Experten der Landwirtschaftskammer NRW, der Agravis AG aus Münster als Futtermittelhersteller, der Kontrollgemeinschaft Deutsches Kalbfleisch e.V. (KDK) und dem Bundesverband der Kälbermäster e.V. stützen. Umfangreiches Datenmaterial zur Beurteilung der Kalbfleischerzeugung bezüglich der Futterzusammensetzung und -beschaffung, aber auch Produktionsdaten zu Aufzucht und Mast der Kälber wurden so zusammengeführt.

Für die Erarbeitung der Ökobilanz hat sich Westfleisch die Expertise der BASF SE aus Ludwigshafen gesichert, die mit bereits über 450 Ökoeffizienzanalysen über einen großen Erfahrungsschatz verfügt.

Westfleisch hat auf über 30 verschiedenen Erhebungsbögen Originaldaten des Fleischcenters Hamm erfasst. Die regionale landwirtschaftliche Datenbasis wurde auch mit Hilfe von Datenbanken eingeordnet und in Berechnungsmodelle der Ökobilanz der BASF SE eingesetzt.

Zu unterscheiden war dabei nach den direkten Emissionen des Fleischcenters (Scope 1 wie Emissionen der Fleischcenter, Fuhrpark usw.) und den indirekten Effekten (Scopes 2, 3) aus vor- und nachgelagerten Bereichen wie  der Kälbermast, der Weiterverarbeitung, der Entsorgung von Restmüll, Abfall und Verpackungsmaterialien oder der Energiegewinnung. Das Ergebnis wurde Mitte Februar durch die Zertifizierungsgesellschaft SGS Germany bewertet.

Der im Rahmen des Gesamtprojektes noch ausstehende Carbon-Footprint für Jungbullenfleisch wird den Auftakt zur Ökobilanz für Rindfleisch ab Ende 2011 einleiten.⇥